Ihre Unterschrift zählt!

Initiative Komplementärmedizin an den österreichischen Universitäten

Universitäten haben, im Sinne Humboldts, die Aufgabe, eine breite Ausbildung und einen kritischen
Diskurs und somit die Eigenständigkeit der Studierenden zu fördern. Sie müssen wissenschaftlich
forschen, neue Gebiete erschließen und innovative Konzepte für die Zukunft erstellen. Universitäten
sollten wache, neugierige Studierende ausbilden, die auf neue Fragen neue Antworten und für die
Herausforderungen der Zukunft neue Lösungen finden werden.

Zur Zeit erleben wir leider gerade, dass universitäre Ausbildungsangebote einseitig reduziert werden,
dass die wissenschaftliche Erforschung neuer Gebiete zunehmend ein-, bzw. nur auf ausgewählte
Gebiete beschränkt wird. Dies ist u.a. an den Streichungen von Wahlpflichtfächern, zum Beispiel zum Thema
Komplementärmedizin an den Universitäten zu beobachten.

Wie mehrere Studien zeigen, ist das Bedürfnis der Bevölkerung und der Patient*innen nach
ganzheitsmedizinischen Methoden groß. Wenn sich die Universitäten nicht mit diesen Themen
befassen oder ohne echte Auseinandersetzung und ohne komplementärmedizinisches Fachwissen
über diese Methoden Urteile fällen, hat das natürlich in dieser verschulten Ausbildung Auswirkungen
auf die künftigen Ärzt*innengenerationen. Die Folge ist, dass dieser große und wichtige Bereich der
alltäglichen Medizin von gewerblichen Gesundheitsberater*innen mit oft höchst zweifelhafter
Ausbildung übernommen werden wird. Das kann keine vernünftige und anstrebenswerte Option
sein!

Um die unterschiedlichen, individuellen Bedürfnisse der Bevölkerung zu berücksichtigen, braucht es
deshalb die Integration der Komplementärmedizin in die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung.
Ärzt*innen sollen unvoreingenommen und unparteilich die besten, individuellen Therapieansätze in
Zusammenschau zwischen konventioneller Medizin und Komplementärmedizin für ihre
Patient*innen auswählen können. Komplementärmedizin wird von den Bürger*innen angewendet,
egal ob in ärztlicher Hand oder nicht. Eine qualifizierte integrative Medizin, die Patient*in und Ärztin/
Arzt zufrieden stellt, braucht jedoch eine offene Kooperation auch auf universitärer Ebene, um die
ganzheitliche Medizin als ärztliche Aufgabe weiterzuentwickeln.

Sich mit Komplementärmedizin oder integrativer Medizin wissenschaftlich und tiefgreifend zu
befassen, heißt keineswegs, kritiklos an alten überlieferten Verfahren oder Volksbräuchen
festzuhalten. Es bedeutet im Gegenteil, sich mit bewährten Methoden respektvoll und neugierig,
durchaus kritisch auseinanderzusetzen, sowie den potenziellen Nutzen und eventuellen Schaden
gründlich abzuwägen, wie es von uns Ärzt*innen im Bereich der universitären Medizin ja auch
gefordert ist.

Da Komplementärmedizin großteils noch erfahrungsbasiert ist, gibt es seit einigen Jahren große
Bemühungen um bessere Forschung und Evidenz. Jedoch fehlen die notwendigen Strukturen. Vor
allem in Europa gibt es so gut wie keine finanzielle Unterstützung für eine intensive Forschung im
Bereich der Komplementärmedizin. Dies beruht wahrscheinlich auch darauf, dass es kaum Drittmittel
von der pharmazeutischen Industrie gibt.

Umso wichtiger ist die Einrichtung von universitärer, staatlich finanzierter Forschung in diesem
Bereich. In Österreich gibt es jedoch – im Vergleich zu Deutschland – noch keinen Lehrstuhl für
Versorgungsforschung oder Integrative Medizin. Blickt man über den Atlantik nach Nordamerika, so

kann beobachtet werden, dass sich an vielen renommierten medizinischen Universitäten und
Fakultäten Institute für Integrative Medizin entwickelt haben, auch in Deutschland (Bayern, BadenWürttemberg) werden diese angedacht.

Komplementäre Medizin zu erforschen, ist innovativ und zukunftsweisend. Auch österreichische
Universitäten müssen so rasch als möglich in diesen Bereich investieren, sonst riskiert die
österreichische Forschungslandschaft, den Anschluss an das aktuelle Forschungsgeschehen zu
verlieren.

Auch muss noch auf Artikel 17 des Staatsgrundgesetzes und der Forderung im Paragraph 2 des
Österreichischen Universitätsgesetzes nach „Freiheit der Wissenschaft und Lehre“ eingegangen
werden. Universitäten sind dazu verpflichtet, diese Grundrechte zu akzeptieren.
Beobachtet man die Gesundheits- und Wissenschaftspolitik, so wird ersichtlich, dass gewisse
Richtungen in der Medizin ständig bevorzugt, andere, wie die Komplementärmedizin, ablehnend
oder diskriminierend behandelt werden. Bei einer Vorenthaltung dieser Informationen und
Behinderung der Wissenschaft werden medizinethische Grundsätze nicht eingehalten. Dem Staat ist
es grundsätzlich untersagt, ein Wissenschaftsrichtertum im Sinne einer Parteiergreifung für ein
bestimmtes Paradigma zu ergreifen. Ein Reduktionismus auf die konventionelle Medizin an den
österreichischen Medizinuniversitäten kann in einzelnen Bereichen zu einer dogmatischen Ideologie
führen. Das Selbstbestimmungsrecht der Bürger*innen, die Toleranz gegenüber Vertreter*innen
anderer Denk-, Forschungs- und Praxisansätze wird dadurch sträflich vernachlässigt.
Unser Bestreben ist es, in Österreich innovative und fundierte medizinische Forschung zu
ermöglichen, die künftige Ärzt*innen auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet.

Deshalb fordern wir:
1. Die Verankerung des Fachgebietes „Komplementärmedizin“ als Integrative Medizin in der
akademischen Ausbildung an den Medizinischen Universitäten.

2. Staatliche Unterstützung und Finanzierung komplementärmedizinischer Forschung,
besonders im universitären Bereich.

3. Förderung der aktiven Wissensvermittlung über Integrativ- und Komplementärmedizin
innerhalb der Ärzteschaft.

4. Sicherstellung der komplementärmedizinischen Ärztekammer-Diplome.

5. Ein faires Miteinander zwischen konventioneller und komplementärer Medizin im Sinne der
Integrativmedizin.

6. Eine respektvolle, akademisch geführte Diskussionskultur mit ärztlicher Kompetenz.

7. Integrativmedizin (konventionelle und komplementäre Medizin) muss ausnahmslos in
ärztlicher Hand bleiben.


UnterstützerInnen:
Ao. Univ. Prof. Dr. Michael Frass, Präsident Österreichischer Dachverband für ärztliche
Ganzheitsmedizin
Univ. Prof. Dr. Wolfgang Marktl, Präsident Gamed
MR Dr. Gerhard Hubmann, Vizepräsident der Wiener Internationalen Akademie für
Ganzheitsmedizin, Berater der Wiener Gebietskrankenkasse für Komplementärmedizin und
Salutogenese, Lehrgangsleiter des Masterstudiums „Ganzheitliche Therapie und Salutogenese“
FH Campus Wien
MR Ao. Univ. Prof. Dr. Peter Lechleitner, Internist, Lienz
O. Univ.-Prof. Dr. Gertraud Berka-Schmid, Ärztin, Sängerin,
Universität für Musik und darstellende
Kunst, Wien
Dr. Volker Neubauer, Präsident Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin
Prof. Dr. Alexander Meng, Facharzt für Neurologie/Psychiatrie, Vizepräsident der Österreichischen
Gesellschaft für Akupunktur, 1. Präsident – Stellvertreter des Österreichischen Dachverbandes für
ärztliche Ganzheitsmedizin
Dr. Andreas Dabsch, Vorstandmitglied Verein Bigmed Austria, Vorstand der ärztlichen Gesellschaft
für Apitherapie
Dr. Wolfgang Steflitsch, Facharzt für Pneumologie, Vizepräsident der österreichischen Gesellschaft
für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege (ÖGwA)
Dr. Renate Thiele, Vorstandsmitglied Österreichische Gesellschaft für Ozontherapie
Dr. Sepp, Fegerl, Referent für Komplementärmedizin und als Vizepräsident der Internationalen
Gesellschaft der Mayr-Ärzte
Dr. Regina Webersberger, Obfrau Kneipp-Ärzte Österreich
Dr. Christoph Abermann, Präsident Ärztegesellschaft für klassische Homöopathie
Dr. Wolfgang Ortner, Frauenheilkunde, 2. Vorsitzender Österreichische Medizinische Gesellschaft für
Neuraltherapie und Regulationsforschung
Univ. Lekt. Prof. Dr. med. univ. Dr. med. dent. Irmgard Simma, Präsidentin der ÖGZMK Gesellschaft
für Ganzheitliche Zahnmedizin
Dr. Thomas Meisermann, Internist, Vorsitzender der Gesellschaft für anthroposophische Medizin
Österreich
Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Spiegel, Medizinische Universität Wien, Zentrum für Public Health
Prof. Dr. Heinz Mengemann, Österreichische Arbeitsgemeinschaft Manuelle Medizin
Univ. Prof. Dr. Rudolf Lackner, Österreichische Arbeitsgemeinschaft Manuelle Medizin

Prof. Dr. med. Harald Stossier, Präsident der internationalen Ärztegesellschaft für funktionelle
Myodiagnostik, Leiter der medizinischen Abteilung im Viva-Mayr
Univ.Prof. PD Dr. Peter Panhofer, MBA, Lehrstuhl für Komplementärmedizin mit Schwerpunkt TCM
Dr. Sabine Wied-Baumgartner , Präsidentin Österreichische Gesellschaft für Mesotherapie e.V.
A.o. Univ. – Prof. Dr. Christian Reiter, Zentrum für Gerichtsmedizin Wien, Stv. Leiter
Dr. Ursula Bubendorfer, praktische Ärztin, Kinderärztin, Präsidentin Medizinische Gesellschaft für
Mikroimmuntherapie
Dr. Lothar Krenner, Arzt für Allgemeinmedizin, Vorstandsmitglied Österreichische Maharishi
Ayurveda Medizin
Dr. Rainer Schroth, FA für Physikalische Medizin, Obmann Österreichische Gesellschaft für
Orthomolekulare Medizin (ÖGOM)
Dr. med. Bodo Werner, Bad Gastein und Teneriffa, langjähriger Vorstand der Internationalen
Gesellschaft der Mayr-Ärzte, langjähriger Arzt des ehem. dt. Bundeskanzler Kohl
MR Univ. Doz. Dr. Heribert Pittner, Präsident Österreichische Gesellschaft für Phytotherapie
Univ. Prof. i. R. Mag. pharm. Dr. Dr. h. c. Brigitte Kopp
Mag. vet. med. Kurt Frühwirth, Präsident österreichischen Tierärztekammer
Dr. Wolfgang Foisner, Verband Österreichischen Kurärztinnen und Kurärzte

Leserbrief zu „Unfug geht viral“ von Florian Aigner

Florian Aigner, ein Physiker, darf sich wieder mal zu einem medizinischen Thema äußern. Die Frage sei gestattet, ob auch wir ÄrztInnen in der Physik eine Expertise abgeben könnten/dürften.

Aigner zitiert in diesem Artikel auch Natalie Grams, die schon seit Jahren nicht mehr ärztlich tätig ist, sondern sich nur mehr journalistisch als Kämpferin gegen Homöopathie betätigt und behauptet, sie wisse nach eigenen Recherchen, dass Homöopathie nur Placebo sei, legt aber dazu keine Daten oder handfeste Argumente vor.

Die Studienlage und auch die Versorgungsforschung ergibt eindeutig, dass Homöopathie eine wirksame Intervention ist, die noch mehr beforscht werden sollte. Gemäß den Metaanalysen von Mathie et al. (2014, 2017, 2018 und 2019) wird Homöopathie aus Cochrane-Perspektive in die Gruppe der Interventionen eingereiht, die wirksam sind, aber besser beforscht werden müssen. Diese Gruppe macht 44 % der Heilverfahren aus. Bezüglich konventioneller Therapien ist nach Cochrane-Standards bei 96% noch mehr hochwertige Forschung erforderlich (EL DIB, R.et al., 2007), da bei 49% keine Rückschlüsse auf Nützlichkeit oder Schädlichkeit der untersuchten Intervention zulässig sind.

An Beispielen wie der Review von Shang et al. (2005) oder des Australischen NHMRC Reports (der 2019 eindeutig widerlegt werden konnte) zeigt sich, dass, um Homöopathie als unwirksam darstellen zu können, mehr als 95% aller sie betreffenden Studien (die eine Wirksamkeit am Menschen, bei Tieren und auch Pflanzen zeigen!) ausgeschlossen werden müssten (Hahn, 2016). Die Gegner der Homöopathie und die Medien konzentrieren sich also nur auf ca 5 % aller Studien!

Wir haben in der Homöopathie auch langjährige Erfahrung in der Behandlung von Infektionskrankheiten und unterstützen das Immunsystem mit unseren Arzneien. Durch eine passende Arznei verkürzt sich erfahrungsgemäß die Krankheitsdauer und nimmt einen deutlich milderen Verlauf. Eine homöopathische Behandlung kann zusätzlich zu einer konventionellen medikamentösen Behandlung erfolgen. In den letzten Monaten haben Kolleginnen und Kollegen in verschiedenen Ländern bereits viele Covid19-Patienten homöopathisch erfolgreich MITbehandelt.

Keinesfalls fordern homöopathische ÄrztInnen dazu auf, übliche und von der Regierung vorgeschriebene Maßnahmen zu unterlassen, wie Grams fälschlicherweise behauptet.

Für weitere Informationen möchten wir auf unsere Homepage: www.homoeopathie.at verweisen.

Dr. Rosemarie Brunnthaler-Tscherteu
für den Vorstand der ÖGHM